Weg in die Selbstständigkeit

Ajmal Hussainis Weg in die Selbstständigkeit (Dewezet vom 5.5.2017)

Afghanisches Essen im American Diner

Autor
Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga

HAMELN. Ajmal Hussaini kommt aus Afghanistan und hat dort als Schuhmacher sein Geld verdient. Statt sich mit den anderen Geflüchteten einzureihen in die staatlich geförderten Umschulungen, wollte er sich lieber selbstständig machen. Ein schwieriger Weg, wenn man viel Enthusiasmus und Mut, aber wenig Sicherheiten bieten kann. Seit Ende Dezember 2016 betreibt er das Restaurant „Safran“ in der Bahnhofstraße in Hameln.

Bild: Afghanische und persische Spezialitäten gibt es bei Ajmal Hussaini.
Afghanische und persische Spezialitäten gibt es bei Ajmal Hussaini.
Bild: Im Restaurant Safran hilft die ganze Familie.
Im Restaurant Safran hilft die ganze Familie.

Ajmal, seine Frau und die fünf Kinder sind anerkannte Flüchtlinge und seit vier Jahren in Deutschland. Dass es so schwierig für ihn wird, Arbeit zu finden, hätte er nicht gedacht. Also hat er das Schicksal bei den Hörnern gepackt. Der Plan: Ein Restaurant in den Räumen unterhalb seiner Wohnung in der Bahnhofstraße, in dem sich irgendwann mal jemand mit einem American Diner versucht hat. „Jemand muss anfangen“, sagt er. Warten liegt dem 48-jährigen nicht.

Leicht wird es nicht. Den Umbau macht er fast allein, das Startkapital leiht er sich von Familienmitgliedern. Ein Kredit von der Bank ist für den gelernten Schuhmacher, der in Afghanistan einen Betrieb mit sechs Leuten hatte und ein paar Monate im Restaurant Böhmerwald gearbeitet hat, nicht drin. „Wir sind keine Bank“, ist die Antwort bei der Kaufmännischen Akademie in Hameln, die Existenzgründer berät. Man sagt ihm, dass er keine Chance habe. Auch das Einstiegsgeld des Jobcenters, das als Gründungszuschuss beantragt werden kann, bekommt der Hartz-IV-Empfänger nicht. Den erhält man nur, wenn eine „fachkundige Stelle“ den Plan des Antragstellers unterstützt. Zur N-Bank geht Hussaini gar nicht erst.

Doch der Afghane lässt sich nicht abschrecken. Nicht einmal von den vielen Vorschriften für ein Restaurant, obwohl die ihn auch heute manchmal zur Verzweiflung treiben. Er schafft es dennoch: Im Restaurant „Safran“ bietet er seit Ende Dezember afghanische und persische Spezialitäten an. Es gibt auch Döner, Pizza und Burger, weil Hussaini ein wenig Angst hatte, dass die Leute nicht kommen, wenn er nur die Speisen seiner Heimat anbietet. Auch der Döner schmeckt prima, wie Gäste bestätigen, doch das Herzstück seiner Küche bleiben die Gerichte aus dem Mittleren Osten. Die Zutaten dafür kauft er in Hannover und Hamburg. Guten Safran, sagt er, bekomme er nur dort. In seiner Küche hat er über 100 Gewürze. Dort kocht seine Frau Fazila. Die ganze Familie muss mithelfen. Wenn es sprachlich mal nicht so klappt, hilft Tochter Mariam. Die 18-Jährige, die keine Möglichkeit hatte zur Schule zu gehen, kam mit 13 an die Wilhelm-Raabe-Schule und hat es geschafft, einmal das zweitbeste Zeugnis ihres Jahrgangs und einmal das drittbeste der Schule nach Hause zu bringen. Für die Hussainis ist das das Wichtigste: Eine Zukunft für ihre Kinder. Dafür geben sie alles. Leicht sei es nicht, „aber das ganze Leben ist es nicht,“ sagt Hussaini und lacht.